Der Studenten-Hund

Studenten schlafen immer bis mittags, leben in verrückten WG’s und haben nur Partys im Kopf. Seien wir mal ehrlich, so oder so ähnlich ist doch das allgemeine Bild von Stundenten! Da passt ein Hund irgendwie nicht rein, von einem Welpen ganz zu schweigen! Aber natürlich treffen diese Klischees, wie so oft im Leben, nicht auf alle zu. Es gibt dennoch einiges zu überdenken, wenn man sich während des Studiums für einen vierbeinigen Freund entscheidet. Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Zunächst einmal möchte ich jedem, der darüber nachdenkt sich als Student einen Hund anzuschaffen, ans Herz legen erst einmal 1-2 Semester ohne Hund zu studieren. Zum einen ist das Grundstudium in den meisten Studiengängen sehr vollgepackt und theorielastig, sodass der Zeitaufwand doch größer ist als in den höheren Semestern. Des Weiteren halte ich es auch für sinnvoll sich in Ruhe in diesen neuen Lebensabschnitt einzufinden. Sowohl der Beginn eines Studiums als auch der Einzug eines Hundes verändert das Leben ganz schön! In diesen ersten Monaten kann man sich dann in Ruhe Gedanken darüber machen, inwiefern ein Hund in das eigene Leben passt. Ich habe mich ganz oft gefragt „Wie würde ich diesen Tag/ diese Woche gestalten, wenn der Hund schon da wäre?“, „Was wäre möglich und was nicht?“, „Wie lange wäre er heute allein gewesen? Hätte er heute mitkommen können?“.

Der Studiumsalltag

Wie gestalte ich meinen Alltag mit Hund? Darüber sollte man sich natürlich Gedanken machen und die Pläne auch immer wieder kritisch und realistisch hinterfragen! Es empfiehlt sich außerdem einen Plan B (und Plan C,…) zu haben. Das Problem am Studium ist, dass man immer nur das nächste Semester planen kann, denn der Stundenplan ändert sich jedes halbe Jahr. Je nach Größe der Uni und des Studiengangs gibt es mehr oder weniger flexible Angebote, sodass man sich im besten Fall seinen Plan nach den Bedürfnissen des Hundes gestalten kann.
Natürlich sind die Präsenzzeiten je nach Studiengang unterschiedlich. Während in künstlerischen Studiengängen sehr häufig projektbezogen von zuhause gearbeitet wird, findet man in wissenschaftlichen viele Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht. Daher sollte man sich schon im Vorfeld genau überlegen wie sich das mit dem Wunsch nach einem Hund vereinbaren lässt. Eine Möglichkeit ist natürlich den Hund zu Hause zu lassen. Ich persönlich bin im Durchschnitt 4 Stunden aus dem Haus. Ohne Hund fand ich es verlockend meinen Stundenplan so zu gestalten, dass ich einen Tag pro Woche komplett frei hatte. Jetzt lege ich die Präferenzen natürlich ganz anders. Lieber fahre ich auch mal nur für eine Veranstaltung zur FH als von morgens bis abends dort zu sein. Lässt es sich nicht vermeiden vor- und nachmittags dort sein zu müssen, fahre ich mittags nach Hause, um mit Gismo eine schöne Runde raus zu gehen. Hierbei ist natürlich eine geringe Entfernung zwischen Wohnung und Hochschule von Vorteil.
Eine weitere Möglichkeit wäre es den Hund mit zu nehmen. Leider ist dies an sehr vielen Hochschulen nicht erlaubt. An den großen Uni’s kann ich das tatsächlich nachvollziehen, bei 20.000 – 40.000 Studenten würde man ja schon den Eindruck einer Hundewiese gewinnen, wenn nur ein Bruchteil der Studierenden seinen Vierbeiner mitbringen würde. Und auch wenn es von Seiten der Hochschule kein Verbot gibt, sollte man sich gut überlegen wann man seinen Hund wirklich mitnehmen möchte. Gerade in große Vorlesungen mit mehreren hundert Studenten, würde ich meinen Hund niemals mit nehmen wollen. Da weiß ich ihn zuhause wirklich besser aufgehoben! Anders sieht es mit kleinen Übungsgruppen oder Seminaren aus. Ganz wichtig ist dabei sich zunächst die Erlaubnis vom Prof einzuholen und auch mal in die Runde zu fragen, ob jemand ein Problem damit hätte. Ich würde nicht wollen, dass sich jemand durch die Anwesenheit meines Hundes unwohl fühlt. Bevor der Hund mitgenommen wird, sollte ihm ein „Ruhe-Kommando“ beigebracht werden. Bei uns heißt das „Decke“ und bedeutet, dass Gismo solange auf seiner Decke bleiben muss, bis ich ihn dort abhole. Was er da macht ist mir egal – im besten Fall schläft er! Als Besitzer muss man auf jeden Fall sicher stellen, dass die Situation für den Hund angenehm ist und er sich nicht durch die fremde Umgebung und die unbekannten Menschen gestresst fühlt. Die Pausen kann man natürlich super nutzen, um mit dem Hund raus zu gehen – einerseits kann er dann seine Geschäfte verrichten und sich die Füße vertreten andererseits aber auch einfach den Kopf freibekommen und sich eventuell etwas auspowern.

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Praktikum, Praxissemester und Berufseinstieg

Ein wichtiges und nicht zu vernachlässigendes Thema ist das, was neben und nach dem Studium noch so ansteht. Ich habe meine Pflichtpraktika bereits vor Gismo’s Einzug absolviert, sodass ich mir darum in den ersten Monaten/ Jahren erstmal keine Gedanken machen musste. Mein Praxissemester steht in etwas mehr als einem Jahr an, dann wird Gismo schon 2 und (hoffentlich!) aus dem Gröbsten raus sein. Genau wie für den Berufseinstieg empfinde ich es als wirklich wichtig sich dafür schon direkt zu Anfang Pläne zurecht zu legen. Natürlich weiß ich noch nicht wohin es mich verschlägt und wie mein Alltag dann aussieht. Aus diesem Grund habe ich mir mehrere verschiedenste Möglichkeiten überlegt, wie ich diesen neuen Lebensabschnitt mit Gismo meistern werde. Sie decken alle Eventualitäten ab, die mir zum jetzigen Zeitpunkt diesbezüglich einfallen, sodass ich sehr zuversichtlich bin, dass es keine Probleme damit geben wird. Undenkbar wäre es für mich nach dem Studium festzustellen, dass ein Hund nicht mehr in mein Leben passt. Deswegen ist meine große Bitte an alle, die überlegen sich einen Hund während des Studiums anzuschaffen, sich wirklich Gedanken zu machen. Auch über die Zukunft und nicht nur darüber, ob es aktuell gerade klappen könnte! Natürlich ist man auch im Berufsleben nicht vor Veränderungen gefeit, jedoch steht diese einem als Student definitiv in naher Zukunft bevor, weshalb man sie zwingend mit einplanen sollte!

Die Vor- und Nachteile

Gismo lebt seit nun 8 Monaten bei uns, das erste Semester als Hundemami habe ich erfolgreich gemeistert und ich bereue es keine Sekunde mich für ihn entschieden zu haben! Aber natürlich ist nicht alles rosarot. Es gehört schon ein gewisses Maß an Planung dazu, denn einfach mal den ganzen Tag in der FH zu verbringen ist für mich mittlerweile nicht mehr möglich. Mein bzw. unser Alltag wird um Gismo herum organisiert und auch, wenn es im Normalfall reibungslos abläuft, bin ich froh nicht alleine für ihn verantwortlich zu sein. Wenn ich mal Termine in der FH habe, die ich nicht anders legen kann als das Gismo zu lange alleine wäre, ist natürlich noch mein Freund da. Meist reicht es schon, dass ich versuche meinen Tag in den Nachmittag hinein zu ziehen, sodass Gismo nur ein paar Stunden alleine ist, bis mein Freund Feierabend hat. Im Zweifelsfall kommt dieser aber auch früher nach Hause oder nimmt sich komplett frei. Das ist wirklich eine große Erleichterung und ich kann euch daher nur empfehlen jemanden zu haben, der euch unterstützt – ob das nun der Partner, die Eltern, Freunde oder ein Hundesitter ist. Des Weiteren muss man ein bisschen aufpassen, dass man sich nicht zu sehr von seinen Kommilitonen ausgrenzt. Dadurch, dass ich das letzte Semester so gut wie nie zusammen mit meinen Freunden in der Mensa gegessen habe, habe ich tatsächlich vieles nicht mitbekommen. Spontan noch in die Stadt zu gehen oder noch zusammen zu lernen ist gar nicht mehr so einfach, wenn der treue Vierbeiner zuhause schon auf einen wartet. Mit guter Organisation ist aber vieles möglich.
Trotzdem sehe ich auch gewisse Vorteile darin, sich schon im Studium für einen Hund zu entscheiden. Das Studium besteht zu mindestens 50% aus Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen – Zeit, die ich zuhause verbringe und bei meinem Hund sein kann. Ich denke ich werde in meinem Leben nie wieder so viel frei gestaltbare Zeit für die Erziehung und Ausbildung meines Hundes haben wie aktuell. Die Semesterferien sind die perfekte Zeit das neue Familienmitglied bei sich willkommen zu heißen. Gismo zog, wenn auch anders geplant, in der zweiten Woche meiner Sommerferien ein, sodass ich knappe 10 Wochen mit ihm zuhause war. So einen langen „Erziehungsurlaub“ werde ich als Berufstätige nicht mehr einlegen können! Ich denke auch, dass der Berufseinstieg mit einem erwachsenen Hund sich einfacher gestalten lässt als mit einem Welpen oder Junghund. Mein Plan bzw. Wunsch ist es ja Gismo später mit auf die Arbeit zu nehmen. Dabei erhoffe ich mir bessere Chancen, wenn ich ihn auch direkt vorstellen kann und nicht nur nach der Möglichkeit frage einen Welpen mit bringen zu dürfen. Und auch wenn er nicht mit darf und ich ihn in irgendeiner Weise anderen Menschen anvertrauen muss, habe ich ein besseres Gefühl dabei, wenn er dann schon älter ist.

Mein Fazit

Abschließend möchte ich denjenigen Mut machen, die sich Gedanken darüber machen, ob sich ein Studium mit dem Wunsch nach einem Hund vereinbaren lässt. Ich stieß „damals“ durchaus auch auf Unverständnis darüber mir so jung schon große Verantwortung auf zu bürden. Bereit zu sein für einen Hund hat nichts mit dem Alter zu tun und den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Irgendwas ist immer und die Zukunft ist nie zu 100% sicher planbar. Das heißt allerdings nicht, dass man sich blauäugig in das Abenteuer Hund stürzen sollte! Planung ist das A&O, sowohl vor der Entscheidung für einen Hund als auch im Alltag mit einem Vierbeiner. Wenn man mit voller Leidenschaft dahinter steht und es wirklich will halte ich ein Studium definitiv nicht für ein Ausschlusskriterium.

Habt ihr auch Erfahrungen mit der Kombination Hund und Studium? Schreibt mir diese gerne in die Kommentare!

 

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3 Kommentare zu „Der Studenten-Hund

  1. Emmely ist am Ende meines Studiums eingezogen, ich hatte meine Prüfungen so vorgezogen, dass Emmely in den Semesterferien vor meinem letzten Semester bei mir einzog und ich nur noch die Bachelorarbeit schreiben musste. Zusätzlich hatte ich in den ersten Wochen der Semesterferien total viel gearbeitet, sodass ich mit dem verdienten Geld und dem Bafög auch gut zwei Monate nicht arbeiten gehen mußte – und es war wirklich das Beste, was ich machen konnte. Soviel Zeit werde ich wohl nie wieder mit einem Welpen haben können. Emmely durfte zu den Terminen mit den Profs wegen der BA auch mit in die Uni, allerdings habe ich auch an einer kleinen Fachhochschule studiert.
    Liebe Grüße
    Lizzy und das Indianermädchen

    Gefällt 1 Person

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